2019 „Im Inneren Wald“ – Bea Emsbach

Zeichnung und Skulptur
Eröffnung Sonntag, 3. November 2019, 12 bis 15 Uhr
Ausstellungsdauer bis 7. Dezember 2019

zu den Bildern

Zeichnen als Ringen um Bilder aus dem Unterbewusstsein und Mythen, aber auch Beschäftigung mit Anthropologie und Psychologie, so beschreibt Bea Emsbach ihre Arbeit. Und darauf weisen auch die Titel ihrer Serien hin: „Beutezüge im Bodensatz der Wissenschaften“, „Die Anthropologin unterwegs“, „Haushaut“, „Hautsache“, Ereignisse im Schatten“. Markenzeichen der Künstlerin ist die Farbe Rot, ursprünglich rote Tinte, mit der sie zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn lineare Zeichnungen meist in A4 Format anfertigte. Sie wirken wie Studien zu fernen Völkern, zuweilen alptraumartig in ihren seltsamen Verkabelungen und Enthäutungen, unheimlich und schön zugleich. Es folgten parallel dazu nach Jahren Aquarelle. Die Themen änderten sich dabei nicht, aber die Kompositionen wurden malerischer und die Raumdarstellungen bildhafter und mit größerer atmosphärischer Dichte. Damit verschob sich der Studiencharakter der Werke mehr zum Erzählerischen hin. Emsbach benutzte in dieser Phase immer noch den Kolbenfüller, mit dem sie eine eigene Aquarelltechnik entwickelte. Blätter aus beiden Phasen sind in der Ausstellung zu sehen.

Im Schwerpunkt der Ausstellung sind aber Werke der jüngsten Entwicklung zu sehen. Nicht nur benutzt sie neuerdings ausschließlich den Pinsel, wobei sie ihre Arbeiten auch als „Pinselzeichnungen“ bezeichnet, sie verwendet auch keine Tinte oder handelsübliche Farben mehr, sondern mischt selbst, unter anderem aus Pigmenten verschiedener Zinnobertöne eigene Aquarellfarben an. So orientiert sie sich zum Beispiel am feurigen Rotton eines William Turner (Brand des Parlaments) mit Rezepturen aus dessen Zeit. „Im Inneren Wald“ spielt einerseits auf Forschungsergebnisse eines subjektivistischen Naturstudiums als Imaginationen anthropomorpher Pflanzen und Protagonisten eines Naturvolkes an, deren Riten ein Stückweit rätselhaft bleiben und eine Vielzahl an Assoziationen hervorrufen. Andererseits geht es aber auch um den Rückbezug auf das „Innere Selbst“, ein Begriff aus der Psychologie. Im Hinblick auf die besonderen Farben der Aquarelle könnte man auch noch vom „künstlerischen Selbst“ sprechen, in dem Emsbach Traditionen weiter auslotet, in denen sie steht.

Zu den Papierarbeiten kommen Skulpturen aus gebrannter, synthetisch-keramischer Modelliermasse (Polymerton), die wie dreidimensionale Fassungen der Wesen aus ihren Zeichnungen wirken und an die Kunst- und Wunderkammern der Renaissance erinnern.