2019 „Bird’s Requiem“ – Cris Pink

Die Ausstellung „Bird‘s Requiem“ fragt nach Imaginationsräumen der Natur zwischen Erinnerung und Realität.

Die Natur war für den Menschen immer ein Ort der Zuflucht, der Urkräfte, der Regeneration und Quelle des Lebens. Sie war Lehrmeisterin, immer auch ambivalenter Gefühlsort. Vor allem in den Naturreligionen, in der Mystik, in der Romantik, in Märchen und Sagen wird dies deutlich. Durch das Industriewachstum der letzten Jahrzehnte wird sie jedoch tiefgreifender gezeichnet denn je und ihre Fragilität tritt in immer bedrohlicheren Erscheinungen zu Tage. Ihre Unerschöpflichkeit scheint zu versiegen, ihre schützende Seite immer mehr verloren. Die Künstlerin weist auf das Gefühl von selbstverursachter Verwaisung und ohnmächtiger Hilflosigkeit hin, das sich in uns breit macht und uns im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen entziehe. Für sie ist „der Verlust von Gottvater im 18. Jahrhundert“ mit dem heutigen Verlust der Göttin „Mutter“ (= Natur) gleichzusetzen.

Die neuen Arbeiten von Cris Pink sind nicht aus einer Motivation der Anklage heraus entstanden. In gewisser Weise möchte sie in ihrem Werk die Natur als einen Raum des Imaginären, des „Wieder-alles–Möglichen“ herstellen und erfahrbar machen. Es geht um Natur, die sich ähnlich wie in ihrer Kindheit anfühlt, als der Wald noch für Überraschung, Zauber und Verwandlung stand.

In den ausgestellten Werken nimmt die Künstlerin Bezug auf Märchen- und Sagengestalten, die sich aus malerischen Gesten ergeben, die aus dem psychischen Formen-Repertoire abgerufen werden. Es können Elemente wieder zu erkennen sein, wobei es nicht um Wiedererkennung bestimmter Märchen geht, sondern um den traum- oder zauberhaften Zustand einer emotionalen Begegnung zwischen Vergangenheit, Gegenwart, Erinnerung und Realität.