2018 „Wo Licht ist, ist auch Schatten“ – Amina Broggi

„Wo Licht ist, ist auch Schatten“
Malerei
Vernissage Freitag, 26. Oktober 2018, 19 bis 21 Uhr
Einführung 19.30
Ausstellungsdauer bis 30. November 2018

Nach mehrjähriger Pause zeigen wir erstmals wieder Arbeiten der in Wien lebenden Liechtensteinerin Amina Broggi. Es ist seit 2009 die vierte Einzelausstellung der Künstlerin in der Galerie. In ihrer neuesten Serie befasst sie sich mit der deutschen Sprache und ihrer Bildhaftigkeit. Fasziniert von der Vielfalt von Redewendungen und Sprichwörtern lässt sie sich von gesprochenen Bildsituationen, die wir ohne darüber nachzudenken täglich benutzen, inspirieren und setzt sie in reale Szenarien um.

Da steckt jemand „den Kopf in den Sand“, führt einen „Eiertanz“ auf, da wird etwas „aus den Fingern gesaugt“ und da „beißt“ jemand „ins Gras“. So gewohnt und unspektakulär uns die Redewendungen im Alltag vorkommen, in der bildlichen Umsetzung ihrer hyperrealistischen Malweise spitzt die Malerin das dramatische und surreale Bildpotential zu und spinnt es in ihren eigenen Imaginationen weiter. So malt sie in der Nähe brechender Wellen am hitzeflirrenden Meeresstrand einen nackten Körper, dessen Geschlecht und Alter in der diagonalen Seitenansicht nicht erkennbar wird. Der Kopf verschwindet im Sand, ohne dass die unheimliche Geschichte aufgelöst würde, sich als Spiel im Urlaub oder wie auch immer geartetes Drama zu erkennen gibt. Ebenso heftig, durch die lichtdurchflutete Atmosphäre verstärkt, muten die Kompositionen auf den beiden Leinwänden zum Thema „Eiertanz“  (je 50 x 80 cm) an, Close Ups auf nackte Kleinkinderbeine mit buntbemalten Zehennägeln, die auf dem einen Bild zwischen Eiern auf Zehenspitzen jonglieren, auf dem anderen offenbar genussvoll Eier zertreten. Auf anderen überwiegend großformatigen Leinwänden (200 x 140 cm) erweckt sie weiter Hirngespinste und Traumwelten zum Leben, die sie stets in ihrem Sinne und für den Betrachter überraschend ausdeutet. So lässt sie im Hinblick auf die Redewendung „jemandem an den Lippen hängen“ einen Affen an der Lippe eines jungen Mannes mit nacktem, athletischem Oberkörper baumeln, der vor einem bunt marmorierten, nicht weiter definierbaren Hintergrund steht. Ist es vielleicht auch die Warnung, „sich [nicht] zum Affen zu machen?“. Sein Auftritt, das gegelte zurückgekämmte Haar und der Blick des Mannes läßt den Betrachter jedenfalls daran denken. Amina Broggi weisst darauf hin, dass sie diese Bilder mit einem „zwinkernden Auge“ entworfen habe, doch bleibt die unheimliche Seite des Geschehens stets evident.

Bewusst setzt sie Kontraste in der Farbgebung ein. Wild bunte Leinwände lösen beinahe monochrome, grau schwarze Kompositionen ab. Letztere wirken wie Traumsequenzen, zum Beispiel im Bild eines weiblichen Aktes, der den Ast absägt, auf dem sie sitzt, ein selbstzerstörerisches Tun. Die dunklen, mysteriösen Anwandlungen der Seele, die Dualität des Seins thematisierte Broggi schon immer in ihren Bildern. Neu ist das Thema, auf Sprachwendungen zurückzugreifen, unsere sinnbildliche Sprache und deren Bedeutung und Deutung in ihrer Malerei einzufangen und zu hinterfragen. Und wie in den vorhergehenden Serien spielen Freunde und deren Kinder, in diesem Falle ihr eigener neuer Familienzuwachs, ihre Tochter, als Modell eine Rolle und auch wieder sie selbst im Autoporträt.

So scheint es nicht von ungefähr, dass sie in den drei Selbstportraits (bis zu 300 x 200 cm) in der Ausstellung die Redewendung „Wo Licht ist, ist auch Schatten“ aufgreift, die sie zum Titel der gesamten Ausstellung wählte. Für diese Gemälde projizierte sie Scherenschnittmuster auf ihr Gesicht, die an Tätowierungen von Urvölkern erinnern, als stände sie wie diese mit Geistern in Verbindung und wolle das Böse evozieren wie abwehren. Es geht wie immer bei ihr um die Licht und Schattenaspekte des menschlichen Charakters, um verletzen und verletzt werden.

Amina Broggi (geb. 1980) studierte an der Universität für angewandte Kunst in Wien, Ausstellungen u.a. Sammlung Essl, Klosterneuburg (emerging artists: hotspots) und Kunsthalle Krems (Real-Junges Österreich).

Vita