2003 „Imago Ventorum Mundi“ – Video Windbildinstallation von Claudia Liekam

Vernissage: Donnerstag, 6. Sept. 19-21 Uhr
Dauer der Ausstellung: 7.Sep. – 8.Nov. 2003

Die Video Windbildinstallation der gebürtigen Osnabrückerin, heute in Hamburg im Künstlerhaus Bergedorf lebenden Multi Media Künstlerin Claudia Liekam ist das Ergebnis eines dänischen Stipendiums zum Thema „Wind“ in Brande, das international ausgeschrieben war.
Das Zentrum der Arbeit bildet eine Windrose, deren Radspeichen die Künstlerin mit dem Kompass nach den Himmelsrichtungen ausrichtete. An den Enden der Speichen finden sich vier grosse Farbbildschirme und vier kleinere schwarz/weiss TVs, die im Loop Videoarbeiten über die Winde der Welt abspielen. Den vier, auch in ihren Bildlösungen monumentaler wirkenden Kardinalswinden N-S-O-W stehen 16 kleinere, von Claudia Liekam „Helfer“ genannte Winde gegenüber, die als verzerrte und in sich gespiegelte Gesichter eher an Kobolde oder an Naturgeister erinnern. Solchen Wesen und auch der sich üblicherweise drehenden Windrose entsprechend tauchen sie nach 15 Minuten im Uhrzeigersinn auf den benachbarten Bildschirmen auf und brechen damit die Statik der Installation weiter auf. Den Betrachter erinnern die Figuren vordergründig an Genmanipulation, an modernste Computertechnik und High-Tech-Spielzeug. Doch ist der Kern ihrer Vorstellung, so auch die Einbindung in die Form einer Windrose zutiefst abendländisch fundiert. Die Künstlerin liess sich von einem Text Hildegards von Bingen inspirieren. Und nicht zuerst werden Winden bei dieser mittelalterlichen Mystikerin Charaktere und Farben zugeordnet. Die Vertonung der Installation, durch Wind erzeugte Geräusche aus dem Hamburger Industriehafen, kontextualisieren die Mystifizierung weiterhin eindeutig in die Gegenwart. Dem strahlenden Grün eines Laubbaums im Sommer, in dem sich das Gesicht des Westwinds gefangen hat, oder der Weite des Abendhimmels, aus der das Gesicht des Ostwinds blickt, nimmt das Geräusch sich aneinanderreibender Pontons und anderer Lärm eines belebten internationalen Hafens jede ungetrübte Naturromantik. Den Kern der Installation ergänzen Hybrid-Videos über künstliche Winde, die zum Beispiel ein Blasebalg, ein Fächer etc. erzeugen. Hinzu kommen Fotoarbeiten, die die Identität von Winden auf ganz andere Weise ins Bild setzen, zum Beispiel indem Namen von Winden (Föhn, Austros, Garbis etc.) auf den Scanner gehaucht werden.

Auf der Empore werden Diavographien, auf Druckplatten abgezogene, am Computer bearbeitete Bilder von Tatoos auf Haut, gezeigt, eine Technik, die bezeichnend für die Arbeitsweise der Künstlerin ist.

Zur Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Osnabrück ein Katalog erschienen. Es ist eine Vorzugsausgabe mit Original Diavographien Südwind/Nordwind/Ariel.